Aus Franken für alle

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Neustart der BR-Kabarettsendung mit großem Ziel

Nürnberger Nachrichten | Von Hans-Peter Kastenhuber | 9. Oktober 2014
Nürnberg – Ingo Appelt, das böse Ruhrpott-Schandmaul, tritt als neuer Moderator von „Kabarett aus Franken “ an – und schlägt sich überraschend gut.
Kann das gehen? Ingo Appelt, der Mann mit der mephistophelischen Stirnlocke, das böse Ruhrpott-Schandmaul als Moderator von „Kabarett aus Franken “? Heute Abend kann man sich ab 21 Uhr im Bayerischen Fernsehen davon überzeugen: Doch das geht. Der Personalwechsel tut der seit 14 Jahren ausgestrahlten Sendung sogar recht gut.
Die Haartolle ist seit einiger Zeit nicht mehr fies und gelgetränkt auf die Stirn geklatscht. Ingo Appelt trägt sein Markenzeichen jetzt angeföhnt, luftig-locker. Der Abschied vom Image des Tabuverletzers und bösen Buben der deutschen Comedy-Szene schlug sich auch in der Frisur nieder.
Ingo Appelt hat sich ein wenig neu erfunden. 25 Jahre ist er jetzt im Geschäft, da muss man nicht mehr jede Grenze des guten Geschmacks einreißen. Zumal das die Fernsehkarriere des Mannes aus Essen, der als Jugendlicher 15 Jahre in Würzburg lebte, auch nicht wirklich vorangebracht hat. Appelt kickt keine Kinderpuppen mehr durch die Luft und ätzt nicht mehr aasig lachend durch die Spott-Schutzzonen. Er ist milder geworden. Und schimpft über die neue Milde in der Rockmusik. Darüber, dass im Radio ständig Liedchen der Band mit dem gefährlich klingenden Namen Revolverheld laufen, in denen einer höchst ungefährlich trällert.: “Ich lass für dich das Licht an, obwohl’s mir zu hell ist.”
Allzu groß war das Risiko also nicht mehr, Appelt als Nachfolger der fränkischen Witzererzähler Bernd Händel und Norbert Neugirg mit der Moderation von „Kabarett aus Franken “ zu engagieren. Und welche Absicht der BR mit seiner Verpflichtung verband, verriet der Comedian nach der Aufzeichnung der ersten Sendung selbst. Weil die dritten Fernsehprogramme inzwischen bundesweit ums Publikum buhlen, “soll es weggehen vom provinziellen Pingpong: Oberpfälzer gegen Franken, Franken gegen Oberpfälzer”.
Fürs Lokalkolorit ist erst mal Michl Müller zuständig – als Sidekick an der Studiobar. Ob das eine Dauerlösung sein wird, weiß noch nicht mal Appelt. Das einheimische Publikum, das den Bad Kissinger mit dem “Dreggsagg”-T-Shirt heiß und innig liebt, würde es vermutlich freuen. Ob Geschichten vom Kaffeeaufguss durch die Damen-Feinstrumpfhose, der nur im Urlaub in der “Domrep” zum Genuss führt und daheim “zu nix, weil das Ambiente fehlt”, allerdings überregional für Quote sorgen werden, weiß man nicht.

Explosive Choleriker-Bombe

Einfach dürfte dieses Ziel ohnehin nicht zu erreichen sein. Auf sämtlichen Fernsehkanälen laufen Kabarett- und Comedy-Formate. Leute wie Hans-Joachim Heist, besser bekannt als Gernot Hassknecht, sind keine Neuentdeckung mehr. Obwohl die kleine Choleriker-Bombe es imnmer noch schafft, einen mit seinen Brüll-Tiraden aus dem Sessel zu heben. Hassobjekte gibt es genug. Zum Beispiel die Schlankheits- und Sportfanatiker. “Die rennen 40 Jahre durch den Parkm, nur um am Ende in einen kleineren Sarg zu passen.”
Auch Wolfgang Krebs kennt man bestens. Als geniales Beckstein-, Stoiber- und Seehofer-Double. An seine neue Rolle als Markus Söder muss man sich noch gewöhnen. Trotzdem ist es kabarettistisch das Feinste, was zum Auftakt der neuen Staffel zu sehen ist. Als finanzberatenden Außendienst-Hallodri bringt Krebs den Finanzminister auf die Bühne. Breitbeinig, halbstark grinsend und mit den Handballen immer wieder in Schrittnähe die Hose lupfend. Dauerpotente Selbstvergewisserung. Der Rest ist schnelles Mundwerk. “Erstens und achtens natürlich auch.”
Das Söder-Original sah sich das bei der Aufzeichnung aus der ersten Reihe aus an. Zufrieden? Söder glaubt, dass da noch mehr geht. Nicht nur beim Double. “Man kann sich ja noch gemeinsam entwickeln.” Krebs wird’s recht sein. Für ihn sind Politiker-Parodien ohnehin ein behutsamer Prozess. “Man muss sich die Wahrheit wie einen Mantel anziehen:”
Dabei möchte man Krebs gerne wieder mal zuschauen. Wogegen man von den flachen Kalauern der als Dauereinrichtung geplanten Internet-Kunstfigur Bembers schon nach dem ersten Mal genug hat.

Kabarett aus Franken: Appelt macht mehr Rambazamba

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inFranken.de | Von Nikolas Pelke | 08.10.2014
Weniger Fasching, mehr Punkrock: Ingo Appelt verleiht dem „Kabarett aus Franken “ als neuer Moderator mehr Tempo und mehr Action. Vor der Show muss das selbst ernannte Enfant terrible aber zunächst einmal das Eis brechen. Schließlich brauchen die Franken für gute Laune a weng Anlaufzeit.
Dienstagabend, kurz vor halb acht. Die Tolle sitzt, die Gäste auch – die Show könnte eigentlich beginnen. Aber irgendwas passt dem Appelt noch nicht, als er im dunklen Camouflage-Anzug und mit geföhntem Scheitel vor den vielen Kameras im Studio Franken steht. Genau, die Stimmung der Gäste ist nicht überirdisch, sondern normal fränkisch.
“Ich bin der Moderator dieser Sendung. Sie müssen mir also viel Liebe entgegen bringen!”, appelliert Appelt an das schweigende Publikum. “Die Franken haben die Eigenschaft, dass sie nicht so gute Laune haben”, versucht es Appelt nun auf die psychologische Tour und die Gäste reagieren endlich, wenn auch verhalten, mit leichtem Protest. Die fränkische Fröhlichkeit, frotzelt Appelt weiter, funktioniere nach dem abwartenden Motto: naja, gucken wir mal.
Matthias Gruber im Publikum nickt. Skeptisch sei er schon, gesteht der eingefleischte Fan im Publikum, ob der Humor des neuen Moderators nicht zu derb für den fränkischen Geschmack sei. Schließlich steht man in Franken eher auf Kuschel-Komik. Mehr Uftata als Rambazamba, mehr Fastnacht als Punkrock. Matthias Gruber klatscht nach dem nächsten Angriff auf die fränkische Seele trotzdem in die Hände. “Im fränkischen Dialekt ist die Depression mit neigebaut”, ätzt Appelt und sagt ungeniert, das “fränkische Lebensgefühl” wolle er heute Abend bei der Aufzeichnung der Show nicht sehen. “Sie sind die ganze Zeit im Bild!”, warnt Appelt sein Publikum und langsam fragen sich die Gäste, ob sie lachen oder weinen sollen. Nach den Peitschenhieben zaubert der Spaßmacher das Zuckerbrot aus dem Ärmel.
“Ich will hier gute Laune und strahlende Gesichter”, umgarnt Appelt nun seine Gäste. “Einfach lachen, dann wird alles gut”, sagt er beschützend wie ein großer Bruder und das Publikum beginnt endlich aufzutauen. “Sie müssen richtig jubeln und kreischen, auch wenn Sie denken, der Appelt ist doch gar kein Franke”, versucht der neue Moderator der fränkischen Kabarett-Sendung nun endgültig das Eis zu brechen und schiebt ein paar biografische Details hinterher. “Ich habe 15 Jahre in Würzburg gelebt. Man könnte sagen, ich bin ein assimilierter Franke.” Das kommt an und funktioniert nach dem Heimat-Prinzip: Einmal Franke, immer Franke.
Nach dem Aufwärmprogramm kann die Show beginnen. Über den Fernsehkameras leuchten rote Lichter – Aufnahme. Als die bekannte Titelfanfare ertönt, rastet das Publikum wunschgemäß aus. Appelt steigt lässig aus dem Aufzug. Er grinst diabolisch und teilt ein bisschen aus. Die Alternative für Deutschland (AfD) will er für die Köperwelten-Ausstellung ausstopfen lassen. Das hat gesessen. Finanzminister Markus Söder, der in der ersten Reihe im Publikum sitzt, fasst der bekennende Sozialdemokrat dagegen mit Samtpfötchen an. Später bekommt SPD-Chef Markus Rinderspacher, der ebenfalls im Publikum hockt, noch von dem Bad Kissinger Kabarettisten Michl Müller (der den neuen Co-Moderator für Appelt geben darf) sein Fett weg. Die Zuschauer hocken an ihren Tischchen, lachen und klatschen. Selbst wenn Appelt sich kurz verhaspelt tut das der steigenden Stimmung keinen Abbruch. Schnell zurück im Text, Applaus und Action! Nur Bembers verhaut seinen Auftritt. Dabei steht der langhaarige Heavy-Metal-Comedian aus Nürnberg gar nicht auf der Bühne, sondern ist nur über den Bildschirm zugeschaltet. Das Publikum kann über seine Witze nur müde lächeln. “Bei dem letzten Gag hatte der Bembers wohl einem im Tee”, gibt sich auch Appelt “not amused”.
Wurscht, werden sich die Macher sagen. Hauptsache die Sendung wird schneller und frecher. Schließlich schaute zuletzt nur noch die Ü60-Fraktion zu. Appelt will das ändern. Den Franken und dem Humor kann das nur gut tun. “Ich bin angenehm überrascht. Der Appelt hat mir besser gefallen, als ich gedacht habe”, sagt Kabarett-Fan Matthias Gruber nach der Show. Wenn das kein Kompliment ist in Franken.
www.infranken.de

Kabarett aus Franken | BR Fernsehen | 09.10 21:00 Uhr

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Fränkisch frech

Screenshot Kabarett aus Franken
“Kabarett aus Franken” bekommt ein neues Gesicht: Ingo Appelt, aufgewachsen in Unterfranken, begrüßt die Zuschauer als Moderator und Kabarettist. Bekannt ist er für seine scharfe Zunge und seinen bissigen Witz. Zusammen mit “Fastnacht in Franken”-Star Michl Müller, der als Gast an der Bar alles durch die kabarettistische Mühle drehen wird, zieht Ingo Appelt über Politiker und Promis her, gemeinsam lästern sie über die großen und kleinen Tücken des Alltags und mischen das Studio kräftig auf.
“world wide wahnsinn”

In dieser Sendung werden sie tatkräftig unterstützt von Wolfgang Krebs, der zum ersten Mal in seiner neuen Paraderolle als Markus Söder auftritt. Außerdem mit dabei sind Hans-Joachim Heist, bekannt aus der ZDF-Satiresendung “heute-show” als cholerischer Fernsehnachrichten-Kommentator, und der Finanzkabarettist, selbst ernannte Wirtschaftsexperte und Steuerfahnder Chin Meyer. Der Nürnberger Kabarettist “Bembers” alias Roman Sörgel meldet sich per TV-Einspielung aus dem “world wide wahnsinn” mit der neuen Rubrik “Internet-Blüten”.

Mehr Infos: www.br.de/fernsehen