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Männer! Ab ins Kinderzimmer!

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Die Hand an der Wiege regiert die Welt.  (Eva Maria Wisznowski, Friseurfachfrau.)

Ort der Handlung: ein Kinderzimmer. Es ist Freitagabend, 18.30 Uhr. Die große Show beginnt. Fanfaren ertönen, die Tür geht auf. ER ist da! Das begeisterte Publikum empfängt IHN unter frenetischem Jubel, IHN, den einzig Wahren, den Besten von allen, Ihren PAPA! Ihren DADDY! Ihren VATER! Mit Tränen in den Augen rufen sie ihm zu:

„Wo ist denn die Mamaaaaaa?“
Die Zeit erstarrt, alles verblasst. So hat sich der phantastische Papa seinen Auftritt nicht vorgestellt. Der Großartige ist wütend: „Also, Jungs, das ist echt scheiße so! Ich hab euch gesagt, ihr sollt „Hurra, hurra, der Papa, der ist da!“ rufen. Und ihr wollt sicher nicht, dass der Papa sauer wird, oder? Also, ich fang noch mal an.“ Der Unglaubliche verlässt kurz das Zimmer, um im nächsten Moment mit hochgerissenen Armen die Arena erneut zu betreten. Diesmal hält das Auditorium sich an den abgesprochenen Text. Der Entertainer ist ganz in seinem Element.

„Hallo, Papaaaa!“ – „Männer! Seid ihr gut drauf?“ – „Jaaa, Papaaaa!“

„Heute bin ich der glücklichste Mensch der Welt, denn ich habe es geschafft! Nach wochenlangen Vorbereitungen ist es mir gelungen, euch ganz für mich allein zu haben. Zwei Wochen – nur wir Männer, mal ganz unter uns. Wie war ich begierig darauf, eine gewisse Zeitspanne mit meinen männlichen Nachfahren unter Ausschluss der Mütterlichkeit zu verbringen. Versteht ihr? Wir Kerle! Ganz auf uns gestellt! Wir – ausgesetzt in der Wildnis des heimatlichen Herdes. Zurückgelassen in der unwirtlichen Steppe zwischen Spülmaschine und Staubsauger.

Ich habe das nicht aus Eigennutz getan, nicht, um mich bei euch unnötig beliebt zu machen. Nicht, weil ich mir beweisen will, dass auch ich eine gute Ersatzmama sein kann. Nein, es geht um mehr, meine lieben Söhne. Es geht darum, euch den Weg zu weisen in eine Welt, die anders ist als die, in die ich hineingeboren wurde.

Eine Welt, die zunehmend einer anderen Ordnung zu gehorchen scheint. Eine Welt, in der ihr bald zu den Schurken und Bösewichten der Weltgeschichte hinzugezählt werdet – ob ihr wollt oder nicht. Denn ihr seid Männer. Im Moment vielleicht noch zart und hilflos, werdet ihr in Kürze zu einer der bedrohlichsten Spezies heranwachsen, die dieser Erdball je gesehen hat: junge Männer! Ja, ich weiß, noch glaubt ihr, das Gefährlichste, was es je gegeben hat, sei der Tyrannosaurus Rex gewesen. Aber eure unverhohlene Leidenschaft für diese ausgestorbene Killermaschine, eure Zuneigung für ein Wesen, das die Natur schon vor Jahrmillionen aus der Kartei gestrichen hat, scheint mir symptomatisch zu sein. Diese Identifikation mit einem Idol, das schon lange nicht mehr gebraucht wird…

Und jetzt hört mal auf, euch gegenseitig auf den Kopf zu hauen!!!“

[ Aus: Ingo Appelt – „Männer muss man schlagen“, Rowohlt, 2008. ]

Die ultimative Lobhudelei

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Kabarettist Dieter Nuhr hat Ingos Buch „Männer muss man schlagen“ gelesen – und dem inneren Drang nachgegeben, dazu ein Vorwort zu verfassen. Er beschreibt unter anderem das Dilemma, in dem sich so mancher findet, der versucht Ingo zu verstehen – Nuhr sagt, Ingos Herangehensweise sei geprägt durch den Versuch, mit Hilfe von harten und präzisen Schlägen Gegenliebe zu erzeugen. Ein Auszug aus dem Vorwort:

„Natürlich ist Ingos Buch gnadenlos einseitig, geprägt von persönlichen Enttäuschungen, ein Machwerk voller Wut und Rache, ein Pamphlet des Niedergangs, ein Eingeständnis männlicher Schwäche und vor allem eine Verbeugung vor der immensen Kraft der Weiblichkeit. Mit anderen Worten: es ist sehr lustig.“