Ingo bei Kerner

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Am Dienstag, dem 11.11.2008 war Ingo zu Gast bei Johannes B. Kerner. Die Sendung wurde wiederholt  am 12.11.08 um 3:00 Uhr. Natürlich ging es um die aktuelle Tour, die DVD und Ingos Buch – wo es sich überall um ein Thema dreht: Männer muss man schlagen. Johannes B. Kerner versuchte herauszufinden, warum und Ingo redete wie ein Wasserfall.

Alle wichtigen Themen wurden behandelt: es ging um Frauen, Männer, Kinder, Charlotte Roche und Fußball. Hier das Transkript des Interviews, das man in der ZDF-Mediathek auch noch einmal ansehen kann – Klick auf den Kerner hier links genügt. Aber nun das Interview.

Kerner: Herzlich willkommen, Ingo Appelt! Männer muss man schlagen – ist das als Aufforderung zu verstehen, als Wunsch? Ist das eine Feststellung?

Ingo: Ach, das sollte einfach mal ein Titel sein, der den Frauen gefällt, das ist eigentlich die Quintessenz meines künstlerischen Schaffens der letzten zwanzig Jahre: Erst wenn der Mann völlig zerstört am Boden liegt, dann werden die Frauen wieder aus den Ecken kommen, quasi als Trümmerfrauen, und uns wieder aufbauen. Darauf hoffen wir.

Kerner: Verarbeitest Du auf der Bühne auch eigene Sachen? Ist es zuhause schwer für Dich manchmal?

Ingo: Ja, natürlich ist es schwer zuhause, klar. Ich will ja auch der Held sein. Aber das Blöde ist: du kommst als Held nach Hause und die Frau sagt: „Schatz, räum mal die Küche auf“. Das ist halt normal mittlerweile: du hast als Mann immer das Gefühl, du scheiterst gegen eine Frau. Du fühlst dich als Mann immer als sozialer, moralischer und verbaler Minderleister, du hast keine Chance. Auch die Bankenkrise haben wir ja den Männern zu verdanken:: „Risiko! Risiko! Hahaha!“ Und wer muss es wieder gutmachen? Die Bundesmutti, unser Angela Merkel muss in die Haushaltskasse greifen und die Spielschulden zurückzahlen!

Kerner: Nun ist ja die Frage: wie kommen wir da raus? Ist die Selbsthilfegruppe für uns Männer der erste Schritt?

Ingo: Naja, tatsächlich ist es ja so, dass wenn ein Mann kommt und sagt „Meine Frau schlägt mich“… also er traut sich das ja gar nicht zu sagen. Deswegen ist die Dunkelziffer da sehr hoch. In Bremen gibt es tatsächlich ein Männerhaus, da haben die Jungs sich eingesperrt vor den bösen Frauen, aber wenn du da hinkommst und sagt „meine Frau schlägt mich“ dann kommen selbst da die Jungs gleich an und hauen dir gleich noch eins auf die Fresse. Du hast als Mann einfach keine Chance einen irgendwie gearteten Opferstatus einzufordern, das geht nicht. Deswegen: mit draufhauen!

Kerner: Sind wir denn selber Schuld an dieser Situation oder sind wir nur Opfer einer jahrhundertealten weiblichen Taktik?

Ingo: Nein, es ist ja so: Männer haben die Frauen unterdrückt. Frauen unterdrücken nicht. Wir haben die Frauen unterdrückt weil wir schon immer wussten, dass Frauen besser sind. Nicht umsonst haben alle religiösen Gemeinschaften schon immer gewarnt: „Wenn wir den Frauen das Lesen beibringen, ist es vorbei.“ Sie haben Recht behalten. Die böse Lüge, Frauen seien minderwertig ist totaler Quatsch. Männer haben immer Angst, vor allem: alles ist eine große Bedrohung und deswegen haben wir jetzt ein großes Problem. Wir leben in einer Zivilgesellschaft. In einer Zivilgesellschaft sind weibliche Tugenden wichtiger – also Einkaufen gehen, Kinder zu versorgen, sich zivil kommunikativ zu verhalten. Aber Männer sind ja eher Krieger – also interessieren sich nur für Fußball, also Ballerspiele, und Sex. Zu glauben, Männer könnten da auch anders, das ist als ob… naja, es gibt ja auch Leute, die glauben an Außerirdische. Und so gesehen sind die wahrscheinlich auch die letzte Hoffnung! Aber so ist das ja: früher war der Mann der große Eroberer, jetzt sitzt er wie Uri Geller als Löffelverbieger da. Früher war er ein stolzer Sportreporter, und jetzt? Putenbrustverkäufer! Der Abstieg ist ja da!  Vom klugen, schlauen Mann zum Sitzpinkler.

Kerner: Mal angenommen, Charlotte Roche wäre ein Mann… hätte sie als Mann „Feuchtgebiete“ schreiben können?

Ingo: Also, ich habe schon in den Neunzigern mein Programm „Die Feuchte Seite“ gespielt – ich bin also der Vorreiter von Charlotte Roche, das muss ich jetzt erstmal ganz klar sagen!  Aber wenn ich tatsächlich sagen würde „ich habe Feuchtgebiete“ – ich hätte wahrscheinlich die „Saure Gurke“ gekriegt. Und dann hätte ich mich hingestellt und gesagt [als Marcel Reich-Ranicki]: „Ich nehme den Preis nicht an!“ Aber das ist auch ein Dilemma. Ich muss auch ganz ehrlich sagen: ich finde das Buch von Charlotte Roche auch deswegen gut, weil es peinlich ist, denn Frauen müssen auch mal lernen, sich zu blamieren. Im Moment stehen die Frauen ja noch gut da, weil es uns Männer gibt: so lange wir rülpsend und furzend durch die Weltgeschichte laufen und uns dabei auch noch selber lustig finden, so lange haben es die Frauen leicht, gegen uns als edle Göttinnen dazustehen. Anders wäre es, wenn wir mal ein bisschen zurückschalten würden und die Frauen gleichzeitig anfingen, sich selber mal ein bisschen zu blamieren… und das geht ja los –

Kerner: Ich wollte grad sagen. Frauen in der Comedy: zum Beispiel Cindy aus Marzahn.

Ingo: Ja. Was ist der Effekt? Selbst meine Tochter kommt auf mich zu und fragt mich: „Ist das ein Mann?“ Wo ich mich im ersten Moment frage: „Wie kommt sie darauf?“ Aber klar: nur Männer benehmen sich so scheiße. Man ist es von einer Frau nicht gewohnt, dass sie so rumprollt – aber mittlerweile haben wir Mirja Boes. Es kommt, es kommt! Die Frauen, die sich benehmen wie die Machos, wie man mir immer unterstellt, sexistisch zu sein, das andere Geschlecht runterzumachen – das ist für Frauen natürlich völlig normal. Aber für einen Mann ist das schwierig: der Blondinenwitz ist tabu, aber so Witze wie: „Was ist ein gelöstes Problem? Ein Mann in Salzsäure!“ findet immer Lacher. Oder der andere: „Wenn ein Mann eine Frau aus dem Fenster schmeißt, dann steht das am nächsten Tag in der BILD-Zeitung. Wenn eine Frau einen Mann aus dem Fenster schmeißt, dann steht’s in SCHÖNER WOHNEN.“ Das geht so durch. Oder mein Lieblingswitz: „Wozu braucht eine Frau einen Mann? Weil Vibratoren nicht Rasen mähen können.“ Freude! Euphorie! Aber mach das mal umgekehrt.

Kerner: Jetzt bist du auch Vater von zwei Söhnen. einerseits erfreulich, andererseits ja höchst bedauerlich, weil ja das erziehungsmäßige Scheitern vorprogrammiert ist. Wie versuchst du, die zu richtigen Männern zu machen?

Ingo: Das ist genau das Problem. Da frage ich mich: erziehe ich sie zu richtigen Kerlen – und sie landen am Abgrund, oder erziehe ich sie zu Frauenverstehern – auch schwierig. Ich weiß am Ende gar nicht so richtig, wohin mit denen. Die Frage ist: worauf bereite ich sie vor: die Jungs sitzen in der Schule: Lehrerin, Rektorin – der einzige Mann an der Schule ist der Hausmeister und der putzt. Was soll ich denen noch erzählen, was ein Mann ist? Und da kommt auch schon das Problem: wenn man einem ständig erklärt, dass er nicht gebraucht wird, wird er aggressiv. Ich habe beispielsweise in Köln auch so ein Hauptschulprojekt gemacht, und als ich in die Klasse kam, waren die Mädels weg. Und ich frage: „Wo sind die Mädels denn?“ – „Ja, die machen Selbstbehauptungstraining.“ Die arbeiten mit einem Gynäkologen und einer Psychologin und die Jungs machen Physik. Da merkst du: mit den Männern redet kein Mensch. Gut was willst du auch mit einem vierzehnjährigen jungen Mann reden… Wenn du den fragst: „Woran denkst du gerade?“ – „Pff, pfff… ficken!“ Es ist schwierig, aber eigentlich auch eine Schweinerei, dass man die so hintenanstellt.

Kerner: Aber du hast auch eine Tochter. Siehst du da, dass etwas anders ist?

Ingo: Ja, das ist es doch! Da hab ich dieses Buch gemacht, „Männer muss man schlagen“, und meine Tochter sagt: „Ja, genau richtig! Die Jungs in der Schule, die nerven.“ Meine Tochter ist tierisch genervt von diesen Jungs, und ich kann das auch verstehen: die Jungs sind in der Schule Störenfriede. Wie eigentlich überall. Die Jungs sind in dieser Gesellschaft Störenfriede, die alles kaputtmachen – und in der Schule geht das schon los. Und dann werden die frühzeitig verhaltensauffällig. Dann sitzt du plötzlich beim Schulpsychologen und es heißt: „ADHS!“ Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.

Kerner: Neulich in der Sendung hatten wir das als Thema, da hieß es, das sei eine erfundene Krankheit, die es nur gäbe, damit das entsprechende Medikament verschrieben würde.

Ingo: Das ist Ritalin, ja. Und was ist das Ergebnis? So einen Jungen wie „Michel aus Lönneberga“ würde es heute nicht mehr geben, den hätten die totgespritzt. Und dann fragst du ja auch den Arzt oder die Ärztin: „Wie hoch ist denn der Anteil von Jungs, die dieses Zappelphilipp-Krankheitsbild haben?“ und du bekommst als Antwort: „Ja, so siebzig, achtzig Prozent.“ Also man kann anhand dieser Krankheit einfach schon mal konstatieren: Der Mann stört in dieser Zivilgesellschaft.

Kerner: Fehlen männliche Leitbilder?

Ingo: Schwul muss man sein. Schwule Männer haben schon richtig Spaß miteinander, die gehen zusammen in den Darkroom und solche Sachen… so was kannst du mit Frauen gar nicht machen. Ich glaub auch dass Männer als Paar gleichberechtigt Kinder großziehen können. Ich finde, diese homosexuelle Geschichte ist vielleicht der letzte Ausweg.

Kerner: Du kannst dir also vorstellen, da leben die Männer auf der einen Seite und die Frauen auf der anderen Seite und man trifft einander nur zu Paarungszwecken?

Ingo: Da war doch immer so! Wann war das jemals anders? Wir sind ja für das Lebensmodell „Zusammenhocken“ überhaupt nicht gebaut. Früher war der Mensch im Krieg, auf dem Feld – er war nie da.

Kerner: Bleibt als letzte Männerdomäne: Fußball.

Ingo: Auch vorbei. Bei der letzten EM haben mehr Frauen Fußball geguckt als Männer. Und wenn man sich die Fußballnationalmannschaft anguckt, das ist auch eher frauenaffin: der süüüße Ballack! Wenn du die Frauen fragst, dann stehen die auf Philipp Lahm, also kannst du da keine Witze mehr drüber machen, das ist vorbei. Und wenn dann mal einer so ein bisschen maskulin daherkommt, dann wird er sofort verniedlicht: es heißt mehr nicht Podolski, es heißt Poldi. Es heißt nicht mehr Schweinsteiger, es heißt Schweini. Jogi Löw! Was für ein Name! Der Typ heißt Joachim Löw! nicht Jogi! Das war früher der Jockel! Der Jack! Der Joe! Heute: der Jooogi… Früher hatten Männer Courage, heute haben sie Kurányi!

Kerner: Aber das Stadionerlebnis an sich…

Ingo: …das ist doch auch nicht mehr wie früher! Das ist doch sauber! Wie im Einkaufszentrum, oder in Bahnhöfen, da kannst du auch nicht mehr mit den Pennern saufen! Früher konntest du im Fußballstadion in die Ecken pissen, man musste so im Zickzack um die Kotzflecken rumlaufen. Heute? Alles sauber, aufgeräumt. Komm, Männer suhlen sich gern im Dreck, das ist auch vorbei.

Kerner: Okay, jetzt brechen wir die Geschichte ab… Ich würde sagen: Ingo, wir lassen es mal wie es ist,  ich bleibe zuversichtlich! Ingo, danke für den Besuch. Hoffentlich ist es nicht ganz so schlimm, wie du es beschrieben hast. Vielen herzlichen Dank für den Besuch in meiner Sendung, Danke schön, Ingo Appelt!

2 Kommentare

  1. magdalena rumland
    Am 20. März 2009 um 15:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    hi ingo ich wollte dir nur sagen das ich dich ganz klasse finde!!! du kannst voll gut herbert grönemayer nachmachen!!! KOMM MAL NACH ESSEN deine magdalena rumland

  2. ali
    Am 1. April 2009 um 01:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hi Ingo!

    Hab Dich das erste mal live vor kurzem in Unna gesehen – Super Show! Du bist einfach nur genial und bleib so, wie Du bist….schön böööööse!

    LG
    ali

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