Kabarett aus Franken: Appelt macht mehr Rambazamba

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inFranken.de | Von Nikolas Pelke | 08.10.2014
Weniger Fasching, mehr Punkrock: Ingo Appelt verleiht dem „Kabarett aus Franken “ als neuer Moderator mehr Tempo und mehr Action. Vor der Show muss das selbst ernannte Enfant terrible aber zunächst einmal das Eis brechen. Schließlich brauchen die Franken für gute Laune a weng Anlaufzeit.
Dienstagabend, kurz vor halb acht. Die Tolle sitzt, die Gäste auch – die Show könnte eigentlich beginnen. Aber irgendwas passt dem Appelt noch nicht, als er im dunklen Camouflage-Anzug und mit geföhntem Scheitel vor den vielen Kameras im Studio Franken steht. Genau, die Stimmung der Gäste ist nicht überirdisch, sondern normal fränkisch.
„Ich bin der Moderator dieser Sendung. Sie müssen mir also viel Liebe entgegen bringen!“, appelliert Appelt an das schweigende Publikum. „Die Franken haben die Eigenschaft, dass sie nicht so gute Laune haben“, versucht es Appelt nun auf die psychologische Tour und die Gäste reagieren endlich, wenn auch verhalten, mit leichtem Protest. Die fränkische Fröhlichkeit, frotzelt Appelt weiter, funktioniere nach dem abwartenden Motto: naja, gucken wir mal.
Matthias Gruber im Publikum nickt. Skeptisch sei er schon, gesteht der eingefleischte Fan im Publikum, ob der Humor des neuen Moderators nicht zu derb für den fränkischen Geschmack sei. Schließlich steht man in Franken eher auf Kuschel-Komik. Mehr Uftata als Rambazamba, mehr Fastnacht als Punkrock. Matthias Gruber klatscht nach dem nächsten Angriff auf die fränkische Seele trotzdem in die Hände. „Im fränkischen Dialekt ist die Depression mit neigebaut“, ätzt Appelt und sagt ungeniert, das „fränkische Lebensgefühl“ wolle er heute Abend bei der Aufzeichnung der Show nicht sehen. „Sie sind die ganze Zeit im Bild!“, warnt Appelt sein Publikum und langsam fragen sich die Gäste, ob sie lachen oder weinen sollen. Nach den Peitschenhieben zaubert der Spaßmacher das Zuckerbrot aus dem Ärmel.
„Ich will hier gute Laune und strahlende Gesichter“, umgarnt Appelt nun seine Gäste. „Einfach lachen, dann wird alles gut“, sagt er beschützend wie ein großer Bruder und das Publikum beginnt endlich aufzutauen. „Sie müssen richtig jubeln und kreischen, auch wenn Sie denken, der Appelt ist doch gar kein Franke“, versucht der neue Moderator der fränkischen Kabarett-Sendung nun endgültig das Eis zu brechen und schiebt ein paar biografische Details hinterher. „Ich habe 15 Jahre in Würzburg gelebt. Man könnte sagen, ich bin ein assimilierter Franke.“ Das kommt an und funktioniert nach dem Heimat-Prinzip: Einmal Franke, immer Franke.
Nach dem Aufwärmprogramm kann die Show beginnen. Über den Fernsehkameras leuchten rote Lichter – Aufnahme. Als die bekannte Titelfanfare ertönt, rastet das Publikum wunschgemäß aus. Appelt steigt lässig aus dem Aufzug. Er grinst diabolisch und teilt ein bisschen aus. Die Alternative für Deutschland (AfD) will er für die Köperwelten-Ausstellung ausstopfen lassen. Das hat gesessen. Finanzminister Markus Söder, der in der ersten Reihe im Publikum sitzt, fasst der bekennende Sozialdemokrat dagegen mit Samtpfötchen an. Später bekommt SPD-Chef Markus Rinderspacher, der ebenfalls im Publikum hockt, noch von dem Bad Kissinger Kabarettisten Michl Müller (der den neuen Co-Moderator für Appelt geben darf) sein Fett weg. Die Zuschauer hocken an ihren Tischchen, lachen und klatschen. Selbst wenn Appelt sich kurz verhaspelt tut das der steigenden Stimmung keinen Abbruch. Schnell zurück im Text, Applaus und Action! Nur Bembers verhaut seinen Auftritt. Dabei steht der langhaarige Heavy-Metal-Comedian aus Nürnberg gar nicht auf der Bühne, sondern ist nur über den Bildschirm zugeschaltet. Das Publikum kann über seine Witze nur müde lächeln. „Bei dem letzten Gag hatte der Bembers wohl einem im Tee“, gibt sich auch Appelt „not amused“.
Wurscht, werden sich die Macher sagen. Hauptsache die Sendung wird schneller und frecher. Schließlich schaute zuletzt nur noch die Ü60-Fraktion zu. Appelt will das ändern. Den Franken und dem Humor kann das nur gut tun. „Ich bin angenehm überrascht. Der Appelt hat mir besser gefallen, als ich gedacht habe“, sagt Kabarett-Fan Matthias Gruber nach der Show. Wenn das kein Kompliment ist in Franken.
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